Am Woog

Unser Ankommen am Woog
am Ufer blättert die hellblaue Farbe
des alten Sprungturms

warum sollte ich mich nicht betören lassen
von den Weidewegen auf vergilbten Fotos
Graslandschaften waren es wohl kaum
doch vordergründig fröhliche Gesichter
oft mit vollen Gläsern in der Hand
und Flaschen auf dem Sofatisch der Jugend
Inseln der Erhabenheit
als gäbe sie es in dem Woog
der mittelalters schon ein Löschteich war

wir karawanen auf Erkundungstour
bis in die Tiefenwasser einer alten Badeanstalt
und in die Höhen zwischen Hochzeitsturm
und russischer Kapelle
dort hinter den Platanen findest du
noch einen anderen Part von mir
mit glasgefüllten Blicken
bunt und geschwungen zieht die Linie aus Blei
hier ihre Bahn

in den Museumsnischen
Rückzugsecken zwischen den Fabriken
und Behausungen inklusiv Schlafgängern
zwischen der Betriebsamkeit und
Unablässigkeit von Sinnsuche
wir stehen selber in den Schattenräumen
zwischen den Epochen unsres Lebens
wandeln träumend fort von jenem Woog

am Ufer blättert die gelbliche Farbe
des Abschieds
vom Jugendstilbaden mit euch.

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Sinken lassen

Sinken lassen
Hoffnungen auf Erfüllung
von Innenschalenträumen
in ferner Zukunft
auf ein Bleiberecht verfolgter
Diesseitsgläubiger
auf Gesundung ganz gewisser
Körperteile im
Milimetermaßstab

Sinken lassen
das Aufwandspensum
ahnend dass die Wände
von alleine wachsen
Wolken werden sie erfassen
mit dem Sturmwind abtragen
und herniedersinken lassen
zu einem eignen Grabstein
auch dort wächst neues Leben
selbst in großer Finsternis
doch das alleine ist zu wenig
und auf die Seite manövriert
das saftende Kraut

Gedanken werden aufpoliert
Wundervisionen mobilisiert
Seifenblasenleuchten
für ein paar Tage
Endlosschleifenjahreswiederholungen
im Kreisverkehr hat
selbst das Zaudern
seine Ordnung
nur nicht das Sinkenlassen
und der Tauchgang
in die Grabeskammern
meiner selbst
wenn meine Kräfte längst
zu Ende sind
dem Augenblick verpflichtet
die Zukunft nicht mehr zählt.

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Lehnwort

Mit meinem Blickmuster
such ich das Lehnwort
im Lückentext der
fließgemaßten Übergänge

was einmal ähnlich war
verschmolz in Fotoschichten
die Betonskulptur ist offenporig
und empfangsbereit
für Neues und Empfindsames

das Wort verlor ich
den vergilbten Liebesbrief
zwischen zwei Ungereimtheiten
beziehungsweise den Minutenstrichen
einer alten Küchenuhr

ich hör die Welt im Sandgetriebe
nuscheln um Verständnis ringen
für das Aneinanderundvorbei
der eingebetteten Gedanken

die Blickfänge in einer Pastenoper
angerührt mit Wasser Öl und Wein
und aufgetragen auf die Lider
nun ist ein Reizwort draus geworden.

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Kleines Lied

Ein Grashalmschwingen nur im Windhauch
einer wiederholten Melodie erhebt sich
das Gebraus der sonderschmalen Gasse
schwarz gepflastert endet sie

in einem Tempelpark wo hinter einem
Wegeschwung an Baumgiganten
hundert rote Lampions hängen
sirrt die sanfte Melodie von Regenhäusern ab

von Himmelsfenstern tief ins Innere
des prallen Lebens dreckig an den Löchern
der Entsorgung giftiger Geysire
schleimgeschleudert auf den Gehweg

innerhäusig schwillt dies Liedchen unterm Schlagwerk
und die Festbeleuchtung spiegelt sich im Glanz
der Stäbchen zwischen denen die Minuten
ufern und die Zeitepochen atmen

aus den vielgeübten Tuschezeichen
über eine Mauer die das ganze Land erschlängelt
lehmgefilzt und bruchgetauft und feuerzeigend
auf die Wächter eines kleinen Liedes.

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In die Bäche

Zweistellig gingen die Lenze über
den gebogenen Weg zweigeteilt die Spur
durch’s Holz auf der wir Platz gefunden
unsere Einzelteile von den Schultern zupften

wir blätterten uns durch das Gesangbuch
mit den unendlich vielen Seiten
bis zum Abendläuten das wir an den
Kieferrinden befestigten

wir legten uns unter die Röhrlinge
und ließen uns von den Spinnen
in einen Kokon verspinnen
mit einem Fenster zum Himmel

in dem wir Königin und Knappe spielten
es in die hohen Säle regnen ließen
und selbst wie Frösche in die Bäche
sprangen Bäche voller Rübensaft

du schwammst flussaufwärts doch ich
blieb am Ufer sitzen sah dir lange nach
der Spiegelmond gesellte sich zu mir
die Lenze traten weithin übers Ufer.

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Unter der Zunge

Das Pantomimenspielchen
zwischen unsren Zehenkitzelblicken
zergeht irgendwo unter der Zunge
wie ein Lauffeuer auf der Jakobsleiter

ein altverbackenes Blatt beschwört
mysteriöse Hindernisse im Basislager
sowie in nahtlos inflammablen Kleidern
ein Volontariat als heißes Meer-Instant

wir überspringen die Präsenzpflicht
zerbrechen hinterrücks die schablonierte Schau
duschen uns unter dem Amusement und
legen die Parameter in eine Zeit der Stripsodie

von Mundraub angetrieben segeln wir
schon nach Ikaria zu den Turmalinen am Strand
wo alte Frauen bunt gewandet flirten
und lassen uns von der Veranda wehen.

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Kurz nur

Bilder an Girlanden verknüpft mit
Zeitfragmenten schwingen
wie leicht bewegte Fahnen

ich ziehe sie aus einer Hand
in die andere stets bereit
nur eine Taste zu bedienen
damit sie mir erscheinen

schon gehe ich auf Jagd
auf den entscheidenen Moment

ich höre Schritte sehe meine
Tagesfalten
lasse jene still vertrauten Bilder
in meiner Tasche schnell
verschwinden.

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