Uferrauschen

Der obdachlose Nachhall deines Uferrauschens
kreist um meinen Seeweg und ich fange ihn
mit meiner Hand gleich einem Schmetterling

auf Blütenbeutezug noch immer forsche ich
nach seinem Innenraum nach seinen Höhlengängen
seinen Querverbindungen zu Andershörigkeiten

während meine Hände längst die Antwort finden
endet hier die wissenschaftliche Verwertbarkeit
ich werfe die Verpackung weg mein Platz ist höhlenmittig.

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Zwischen Deckeln

Der Worte Widerhall im Säulenraum
bebildert in Minuskeln stockgedruckt
wenngleich der Fingerzeig des Aufgewölkten
in die Mahnung deutet

Halleluja rufen sich die Gegner zu
jetzt wird sich abgekanzelt Horn um Horn
und Huf um Huf mit blanken Brüsten
bis das Schiff auf Grund geht

zwischen Deckeln klappen Jahre auf
ein junges Leben unter steichen Dächern
hinter Stadtgemäuer zwischen Türmen
unter jener Burg ein Leben in Bezügen

auch anderswo ziehn Katakomben unterstädtisch
winkeln Gassen buckeln Pflaster
in das Oberdorf zum tiefsten Brunnen
bis zur mittelalterlichen Aussicht

unten zieht der Fluss geschwungne Bahnen
inselt entelt ebnet Blicke bis zur übernächsten Brücke
bis in die verschachtelte Vergangenheit
im tanzgezierten Lautentraum

schließ ich das schwere Buch
und geb es schweigend
weiter.

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Alte Steine

Ein Schritt weiter auf verschneitem Feldweg
begegnen sich Inspiration und Metaphysik
und vermengen sich im Taupunkt eines Morgens
kurz bevor ein Hahnenschrei sie auf die Reise schickt

ins Blumenmusterland der auflösbaren Diskrepanzen
in die Versäumnisse gerader Schnitte
in den Widerhall vermengter Komplimente
die in Puderdosen eingelagert werden

ich such nach der Magie von alten Steinen
irgendetwas was dir einst verloren ging
und was noch deine Handspur trägt
und deinen Atem wölbt pastellgefärbt

die Stimme über Bande unser Ziehweg ist verschneit
und eine alte Zuckerrübe neigt sich dem Verfall zu
währenddessen wir uns halten am Minimalismus
der verblassten Bilder hinter dem verschneiten Feldweg.

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Muster

Tröpfelübertölpelt steigt die Zeit bewegter Augenblicke
an die himmelblaue Zimmerdecke
löst sich in den Mustern meiner Lungenflügel
sammelt sich zu neuen Spuren auf dem Schirm

ein Bilderrätsel das dich nebulös zurücklässt
freigeschnitten nicht mehr isotonisch isoliert
und fringiboren schlüpft ein Tropfen deines
Hermeneus zu neuer Flut ins Nichts ins Nichts.

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Nischen

Die Teile stecken aufeinander passen irgendwie
und passen nicht die Widersprüchlichkeit
verursacht Dauerschmerzen

anders wie das Ineinanderdrehverkeiltsein
oberflächlich rau doch innerlich aus einem Holz
die Fensterrahmen riefentiefe Tafelbilder
voller Leinölfarben gibt man sich bedeckt

beim Blick nach draußen in die grellbunt
ausgeleuchteten Behausungen in jeder lockt
ein anderes Programm doch die Fassade

meiner Nachbarn undurchsichtig selbst
wenn ich mich offenlege auf das Stroh der Straßen
in der Stadt sind sie vernetzt und biegen Wege
und jedwede Wohnlichkeit so hängt man

aneinander unfähig zur Flucht in Abgeschiedenheit
und jeder baut an seinen eignen Nischen
irgendwie passend und gleichzeitig nicht.

(c) Birgit Heid zur Ausstellung des Kunstvereins Landau “Grundformen” im Dezember 2016

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Schichten

Noch einmal welke Blätter die den
offnen Horizont nicht annektierten
und noch einmal filigranes Backwerk
das den Schmelz der gären Kindheit trägt

ich füge mich in Schichten überlagert
von den Wettern anderer die meine
Wege ebneten und steinten transformierten
oder mauerten ist’s überhaupt noch meiner

krummgetrampelt scheint er mir doch meine
Fußgelenke atmen selbst im Nasschnee
diesen olivinen Dunst von Unbekümmertheit
der die Blessuren übertönt

das fensterlose Kachelwerk mit Wäscheklammern
an der leeren Schnur woran die lang gestochnen
Blätter welk zunächst mit eleganten Eselsohren
das Fixierbad meiner Episoden schon verlassen.

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Ästenetze

Wir lassen unsere Schwerkraftlinien sprechen
wenn wir miteinander nach gemaßten Versen
doch ins Leere greifen
und geben seifenfrei uns zu erkennen

graben in den Poren nach dem Spiegelbild
gleich Aletheia kosten wir die Kürzel
die vom Baum herabgefallen
deren Knistern uns noch lang begleitet

zwischen seinen Ästen hängen weiße Netze
tief herab bis in die Nebelwurzeln
und für Augenblicke nennenswert gefroren
kristalliertes Nest für jene Verse

die uns jedes Mal entwischen weil sie nur
beim Atemholen rührbar werden
heute Morgen in den Ästenetzen deines Gartens
fand ich einen band ihn mir an meine Hand.

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